Baltic Holocaust: Second Stahlecker Report (1941) Digitized




by Rafael Katz

Note: See for introductory remarks the author’s earlier January 2015 summary of the project and his posting today of the digitized text of the First Stahlecker Report.


Einsatzgruppe A

[…] vom 26. Oktober 1941 bis 31. Januar 1941

I. Allgemeine Übersicht: 2

II. Allgemeine Lage in grundsätzlicher Hinsicht 11

1.) Stimmungsbericht 11

2.)Politik und Verwaltung 18

3.) Propaganda 28

4.) Kulturelle Gebiete. 32

5.) Volkstum 50

6.) Volksgesundheit 53

III. Juden………………………………………………………………………………………………………………………….57

IV. Kirche 66

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I. Allgemeine Übersicht:

Beim Abschluss des ersten Gesamtberichts der Einsatzgruppe A am 15. Oktober 1941 standen die Truppen der Heeresgruppe Nord mit ihrem rechten Flügel, Teilen der 16. Armee, an den Waldaihöhen, hielten den Ilmensee und nördlich davon Nowgorod. Die Mitte der am rechten Flügel der Heeresgruppe Nord stehenden 16. Armee traten bereits bei starkem Frost den weiteren Vormarsch in nordostwärtiger Richtung vom Walchow aus an und erreichten nochmale in zügigem Vorgehen Tichwin. In der Mitte der Heeresgruppe war nunmehr die Panzergruppe 4 zur Verwendung bei einer anderen Heeresgruppe herausgezogen worden. Ihr Frontabschnitt wurde von der bisher am linken Flügel der Heeresgruppe Nord stehenden 18. Armee übernommen, die im Verlauf der weiteren Operation nicht nur die Einschliessung der 8. Russischen Armee bei Oranienbaum, die gesamte Zernierung von Leningrad, u.zw. von Peterhof über Uritz bis nach Schlüsselburg, sondern noch Teile der nach Osten gerichteten Front südlich von Ladogasee übernahm.

Unter dem Einfluss des ungewöhnlich frühen und ungewöhnlich harten Winters und des verstärkten Drucks der Russen wurde eine fast gerade verlaufende Front von Ladogasee nach Süden entlang dem Wolchow von der 18. und 16. Arme gebildet.

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Vor Petersburg war die Lage durch starke Angriffe der Russen gekennzeichnet, die den Ring unter allen Umständen zu sprengen und eine Vereinigung mit den südostwärts vom Ladogasee stehenden russischen Truppen verauchten. Alle diese Ausbruchsversuche der Russen wurden von der glänzend geführten 18. Armee in zähnen und erbitterten Winterkämpfen abgewiesen. Trotz stärkere Übermacht bei den einzelnen Angriffen und dem Einsatz starker Panzerkräfte konnten die Russen vor Petersburg nicht den geringsten Erfolg erzielen.

Mit Einbruch des Hochwinters mit Temperaturen von unter 40° Kälte drängten die Russen insbesondere an der Wolchowfront und später am Ilmensee und in der Gegend um Cholm auf die deutschen Linien. Bei den erbitterten Abwehrkämpfen, bei denen die deutschen Truppen unter der oft mit Schneestürmen verbundenen eisigen Kälte zu leiden hatten, erlitten die Russen fast unvorstellbare Verluste. Trotz aller Schwierigkeiten ist die Haltung insbesondere der von Anfang an im russischen Feldzug eingesetzten Truppen eine ausgezeichnete. Beim Abschluss dieses Berichts dauernd die Abwehrkämpfe noch an, die von der Heeresgruppe Nord unter der nunmehrigen Führung des Generaloberst v. Küchler, dem bisherigen Oberbefehlshaber der 18. Armee, gemeistert wurde.

Nachdem die Panzergruppe 4, mit der die Beziehungen der Sicherheitspolizei besonders eng waren, vor Petersburg abgezogen wurde, ergab sich sehr schnell eine ebenso gute Zusammenarbeit mit der dort eingesetzten 18. Armee. Auch die Verbindung zur 16. Armee wurde in der Berichtszeit enger gestaltet.

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Vor Petersburg war die Lage durch starke Angriffe der Russen gekennzeichnet, die den ring unter allen Umständen zu sprengen und eine Vereinigung mit den südostwärts vom Ladogasee stehenden russischen Truppen verauchten. Alle diese Ausbruchsversuche der Russen wurden von der glänzend geführten 18. Armee in zähen und erbitterten Winterkämpfen abgewiesen. Trotz stärkerer Übermacht bei den einzelnen Angriffen und dem Einsatz starker Panzerkräfte konnten die Russen vor Petersburg nicht den geringsten Erfolg erzielen.

Mit Einbruch des Hochwinters mit Temperaturen von unter 40° Kälte drängten die Russen insbesondere an der Wolchowfront und später am Ilmensee und in der Gegend um Cholm auf die deutschen Linien. Bei den erbitterten Abwehrkämpfen, bei denen die deutschen Truppen unter der oft mit Schneestürmen verbundenen eisigen Kälte zu leiden hatten, erlitten die Russen fast unvorstellbare Verluste. Trotz aller Schwierigkeiten ist die Haltung insbesondere der von Anfang an im russischen Feldzug eingesetzten Truppen eine ausgezeichnete. Beim Abschluss dieses Berichts dauernd die Abwehrkämpfe noch an, die von der Heeresgruppe Nord unter der nunmehrigen Führung des Generaloberst v. Küchler, dem bisherigen Oberbefehlshaber der 18. Armee, gemeistert wurde.

Nachdem die Panzergruppe 4, mit der die Beziehungen der Sicherheitspolizei besonders eng waren, vor Petersburg abgezogen wurde, ergab sich sehr schnell eine ebenso gute Zusammenarbeit mit der dort eingesetzten 18. Armee. Auch die Verbindung zur 16. Armee wurde in der Berichtszeit enger gestaltet.

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Bei dieser militärischen Lage ergaben sich für die im Operationsgebiet eingesetzten Teile der Sicherheitspolizei und des SD wiederum erneute Aufgaben.

Die Erkundung von Petersburg wurde in enger Zusammenarbeit mit der 18. Armee und insbesondere mit dem L. Korps unter General Lindemann, der jetzt den Oberbefehl über die 18. Armee übernommen hat, verstärkt. Einzelne Schwierigkeiten, die, offensichtlich auf höheren Einfluss zurückgehen, bei der Abstellung von Agenten sich abzuzeichnen begannen, wurden durch Rücksprache mit der 18. Armee und auch der Heeresgruppe Nord beseitigt, die dabei zugab, auf die Mitarbeit der Sicherheitspolizei und des SD angewiesen zu sein, da sie 80% ihrer Nachrichten über das belagerte Leningrad von ihr erhalte. Allerdings wurde die Erkundungsarbeit dadurch immer mehr erschwert, dass der Ring um Petersburg sich noch fester schloss, sodass die Durchschleusung vom Agenten kaum mehr möglich wurde. Auch nahmen die Sowjets allmählich von der Absendung grosser Mengen von Agenten durch die deutschen Linien Abstand und verlegten sich mehr auf Erkundungstätigkeit durch besonders ausgewählte Personen, die mit Sendegeräten versehen, durch Fallschirme hinter den deutschen Linien abgesetzt wurden. Sicherheitspolizei und SD stellte sich alsbald auf diese veränderte Waktik um, sodass es im grossen […] Agenten einschliesslich ihrer Sendegeräte habhaft zu werden.

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Die Erkundung von Petersburg ergab eine stetig fortschreitende Verschlechterung der Lage in der Stadt, die nach unseren Begriffen bereits katastrophal ist. Es ist aber nicht zu erwarten, dass die Sowjets daraus irgendwelche Konsequenzen ziehen werden, ebenso wenig, dass die gequälte Bevölkerung es verstehen könnte, sich gegen die Machthaber dort aufzulehnen. Die ist nach wie vor fest in der Hand der Sowjets. Sie wird heute im wesentlichen durch Zufuhr über den gefrorenen Ladogasee versorgt. Wenn es, was kaum anzunehmen ist, den Sowjets nicht gelingt, wesentliche Vorräte noch jetzt in die Stadt zu verbringen, wird nach Auftauen des Ladogasees ein unvorstellbares Massensterben in Leningrad einsetzen, nachdem bereits in den letzten drei Monaten dort ungefähr 200.000 Menschen gestorben sind.

Sicherheitspolizei und SD setzen auch in dieser Berichtszeit im Operationsgebiet die Bekämpfung des […] fort. In einer Reihe von Vorfällen konnten dabei beachtliche und auch für die weitere Bekämpfung der Panzer…. aufschlussreiche Erfolge erzielt werden. Nicht nur die 18., sondern auch die 16. Armee hatten dringend gebeten, in den besonders partisanengefährdeten Gebieten südlich vom Ladogasee und südlich vom Ilmensee Kommandos anzusetzen. Leider hatte die Einsatzgruppe A hierbei Verluste, die zwar, absolut gesehen, geringfügig prozentual aber doch recht hoch sind, und an die […] herankommen.

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Neu hinzu kam im Operationsgebiet die Erfassung der Volksdeutschen um Leningrad und dem Nowgorod. Im Zusammenwirken mit den zuständigen Armeen wurden diese Volksdeutschen, die im Gefechtsgebiet dem feindlichen Beschuss ausgesetzt waren, und die ohne Hilfe dem Hunger und der Kälte in diesem Winter erlegen wären, in der Hauptsache ins Reicht und zu einem kleineren Teil nach Estland abtransportiert.

Weiterhin wurden die Esten und Finnen im Ingermanland registriert und ihre Lebensverhältnisse dabei geprüft. Es stellte sich heraus, dass einige tausend gut rassischer Esten ohne Hilfe verhungern müssen. Ihr Abtransport nach Estland wurde daher vorbereitet.

Die Erhebung bei den ca. 55-60.000 Finnen im Ingermanland ergab, dass ca. 6000 einer sofortigen Hilfe und weitere 10.000 einer Hilfe noch im Laufe dieses Winters bedürfen. Die von Sicherheitspolizei und SD angeregten Verhandlungen mit den Finnen ergab die Entsendung einer finnischen Untersuchungskommission, die beim Stab der Einsatzgruppe im Krasnogwardeisk untergebracht wurde, und die dort über die gesamte Lage mit unserer Hilfe sich unterrichten konnte. Die Verhandlungen über diese Frage sind noch nicht abgeschlossen.

In der Berichtszeit wurde das Gebiet des früheren Freistaates Estland der Zivilverwaltung unterstellt. Damit um…. der grossere Teil der von der Einsatzgruppe A zu bearbeitenden Gebiete nunmehr der Zivilverwaltung. Die politischen Verhältnisse in Estland unter der geschickten Führung des G….

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Lietzmann […]. Die Einsetzung des Dr. Mae als Generaldirektor für die estnische Verwaltung erwies sich ebenfalls immer mehr als ein glücklicher Griff. Die heute führenden Esten sind überzeugt, dass sie nicht bloss an der Seite von Deutschland, sondern am besten im Verbande des Deutschen Reiches selbst ihre Zukunft werden gestalten können. Die rassische Zusammensetzung des Volkes im nördlichen und westlichen Teil von Estland lässt eine solche Entwicklung durchaus wünschenswert erscheinen. Völlig anders allerdings verhält es sich mit den Gebieten im südostwärtigen Teil von Estland und um den Penpussee. Hier zeigen sich auch Ansätze deutschfeindlicher Stimmung, und nach wie vor bei den dortigem […] für die Sowjets. Die Gebiete dort werden von der Sicherheitspolizei besonders überwacht. Die Aussiedlung der dortigen Bevölkerung wird später einmal notwendig werden.

Die politische Haltung in Lettland ist nach wie vor uneinheitlich. Die Stimmung und Haltung in Lettgallen ist in keiner Weise deutschfreundlich.

Anders verhält es sich in den westlichen Teilen von Lettland, insbesondere von Tivland und Kurzland. Hier zeigen sich trotz aller Fehler, die auch von deutscher Seite gemacht werden und trotz dem Drängen nationalistischer Kreise durchaus Anzeichen zu einer endgültigen Be des Gebietes und zu einer Zusammenarbeit. Auch die Werbung von Schutzmannschaften hatte in der vergangenen Zeit erfreuliche Ergebnisse. Wo, Letten, insbesondere auch bei der Sicherheitspolizei eingesetzt […] sie hervor-

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Hervorragende kämpferische Eigenschaften.

In Litauen ist die Einstellung vorherrschend, dass das litauische Volk seine eigenstaatliche Selbstständigkeit verloren und keinerlei Aussicht hat, diese zurückzugewinnen. Dadurch ergeben sich eine abwartende und lauernde Einstellung. Besonders schlecht liegen die Verhältnisse im ostwärtigen Teil von Litauen, wo sich nach wie vor die starken polnischen Einflüsse zeigen. Die Polen sind von allen den vielen Völkerschaften des Reichskommissariats Ostland bei weitem die schlechtesten und gefährlichsten. Bei der sicherheitspolizeilichen Arbeit wird gerade hierauf besonders geachtet.

Das Generalkommissariat […] immer nicht von Partisanen befriedet. Dieser Unsicherheit ist symptomatisch für weite Gebietsteile. Die Weissruthenen zur positiven Mitarbeit heranzuziehen, ist unmöglich. Auch die Weissrusthenen zeigen das übliche verkommende Bild der Bevölkerung in Sowjetrussland.

Die Beziehungen der Sicherheitspolizei und des SD zu den […] sind durchaus […].

Das Verhältnis zum […] ist, wie bereits im letzten Lagebericht hervorgehoben, dadurch gekennzeichnet, dass trotz dauerndem Drängen von uns noch immer keine klare Abgrenzung in den Zuständigkeitsgebieten erreicht worden ist. Der Höhere […] und Polizeiführer ist darauf hingewiesen worden, dass die Behörde des […] das Reichskommis…. bei Verordnungen die Polizei nicht so […] werden muss. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich diese Angelegenheit in der nächsten Zeit wird regeln lassen.

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Die Beziehungen zu den Generalkommissaren vom Befehlshaber und von den Kommandeuren aus sind teilweise sogar sehr gut. Zu einer grossen Zahl von Gebietskommissaren besteht ebenfalls bereits eine sehr enge Verbindung. Mit anderen ist die Vertiefung der Beziehungen angebahnt.

Ein grosses Augenmerk wurde in den letzten Wochen und Monaten auf den Ausbau der Kriminalpolizei und die Heranziehung einheimischer Kräfte zur Arbeit der politischen Polizei gelegt. Diese Kräfte werden in der nächsten Zeit vollends restlos in die deutsche Sicherheitspolizei eingebaut werden. Es wird dadurch auch möglich sein, gewisse Kräfte an den Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Weissruthenien abzugeben, da die Versuche, mit einheimischen Kräften dort zu arbeiten, völlig misslungen sind. Diese Heranziehung fremdvölkischer Kräfte ist bei der Stärke der Einsatzgruppe bzw. der der Einsatzkommandos, die sich aus Anlage 1 ergeben, insbesondere bei der beabsichtigten starken Einschaltung in die […].

Bei den vielfältigen Aufgaben, die sich für Sicherheitspolizei und SD in dem gesamten Gebiet der Zivilverwaltung und im Operationsgebiet ergeben, ist die Verteilung der Kräfte eine besonders schwierige. Über diese mit aller Sorgfalt getroffene Verteilung gibt die Anlage 2 Aufschluss. Diese Verteilung muss sich insbesondere auch nach den militärischen, zivilen und sonstigen …-Dienststellen richten. Den Vergleich hierzu zeigt Anlage 3.

Ausschlaggebender Wert wurde weiterhin sowohl im Operationsgebiet wie im Gebiet des Reichskommissariats Ostland auf den […] eines engen Netzes von Verl…. gelegt.

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II. Allgemeine Lage in grundsätzlicher Hinsicht

1.) Stimmungsbericht

Die vergangenen Monate haben den deutlichen Beweis geliefert, dass die Entwicklung der Stimmung in […] Gebieten in stärkstem Maße veränderlich ist und von äußeren Ereignissen, Gerüchten und der Kriegslage schnell beeinflusst wird. Im Vordergrund stehen nach wie vor die Wirtschaftslage und die Ereignisse an der Front.

Dass sich die Stimmung der Bevölkerung, die beim Einmarsch der deutschen Truppen restlos positiv, begeistert und glücklich war, im Laufe der Zeit ändern würde, war zu erwarten. Inzwischen ist aber in Teilen des Gebiets und teilen der Bevölkerung eine so absolut ablehnende und störrische Haltung zu verzeichnen, die rein stimmung Ursachen hat, dass selbst bei Kenntnis der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung die eigentlichen Gründe unklar bleiben.

Es gibt in allen Ländern des Reichskommissariats einen Teil der Bevölkerung, der schon jetzt bestimmte persönliche und

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Wirtschaftliche Vorteile erreicht hat, und der trotzdem an der niedergedrückten Stimmung teilnimmt. Wie in allen politischen und wirtschaftlichen Fragen bestehen auch stimmungsmässig zwischen den einzelnen Generalkommissariaten Unterschiede.

In L i t a u e n war ein stetiger und anhaltender Stimmungsrückgang seit Einzug der Zivilverwaltung zu verzeichnen. Dazu trug wesentlich bei, dass die während der Besetzung durch die Wehrmacht entstandene provisorische Regierung verschwand und zunächst eine litauische Beteiligung an der Verwaltung nicht erfolgte. Auch die später eingeführten litauischen Gebiets- und Generalräte wurden zu einer praktischen Arbeit nicht zugelassen. Die deutschen Stellen, deren Angehörige nur zum teil Verwaltungspraxis und Kenntnisse des Landes und des Volkstums mitbrachten, zogen alle Arbeit an sich und fällten bis zum geringsten Vorgang selbstständige Entscheidungen, ohne im wesentlichen litauische Fachleute zu Rate zu ziehen. Da dies auf allen Gebieten geschah, wurden auch wirklich gutwillige Litauer vor den Kopf gestossen und fühlten sich, wie dies oft zum Ausdruck kam, genau so erobert wie die Polen.

Die propagandistisch nicht genügend vorbereiten […] Maßnahmen, die in die Lebenshaltung jedes einzelnen eingriffen, beeinflussten weiterhin wesentlich die Stimmung. Die in den letzten Monaten festgestellte starke Aufnahmebereitschaft für Hetzschriften, Gerüchte, Flugblätter und Nachrichten feindlicher Sender kann als Barometer gelten.

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Die litauische Bevölkerung hat zweifellos nach dem Einmarsch der deutschen Truppen das Versprechen einer Wiederherstellung ihrer Eigenstaatlichkeit und die Erlaubnis zur Teilnahme am aktiven Kampf gegen den Bolschewismus erwartet. Da die gesamte stimmungsbeeinflussende Propaganda bis auf den heutigen Tag völlig ungenügend ist, erzeugt jede Massnahme der deutschen Verwaltung, die gegen diese Erwartungen spricht, Überraschung, Protest und Widerstand.

In letzter Linie spielt eine wesentliche stimmungsmässige Rolle die Lebensmittelzuteilung, die von der Bevölkerung deshalb kritisiert wird, weil sie angeblich niedriger als die der Juden im Reich und der Polen im Generalgouvernement liegt, und weil die reichsdeutschen in Litauen wesentlich höhere Sätze erhalten. Dazu kommt die Tatsache, dass trotz Lebensmittelkarten infolge der Transportschwierigkeiten die zugeteilten Waren nicht immer zu erhalten sind. Der Schleich- und Tauschhandel steht sowohl in den Städten als auch auf dem Lande in voller Blüte, und es bleibt der Bevölkerung nicht unbekannt, dass Reichsdeutsche und Wehrmachtsangehörige von diesen Einkaufsmöglichkeiten Gebrauch machen.

Anlg. 4 In der Anlage […] in Litauen verteiltes Flugblatt.

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Die Auffassungen und Erwartungen und daher auch der stimmungsmässige Niederschlag der deutschen Massnahmen in L e t t l a n d waren ähnlich. Stärker wirkt sich stimmungsmässig in Lettland die Frontlage aus, die insbesondere dadurch bekannt und in Übertreibungen verbreitet wird, dass Flüchtlinge aus den Gebieten um Witebsk und Wellikj-Luki in die östlichen Teile Lettlands gelangen und dort die wildesten Gerüchte verbreiten. Dazu kommt eine zweifellos aus den alten ulmanistisch anglophilen Kreisen Kreisen stammende Gerüchtemacherei aus Riga und die Verbreitung englischer und schwedischer Rundfunknachrichten.

Da die Bevölkerung Lettlands stärker als die anderen Länder die Lage an der Front betrachtet, richten die Erzählungen von deutschen Soldaten, die von der Front und vor allem Dingen aus den rückwärtigen Gebieten der Front kommen, deshalb ziemlichen Schaden an, weil sie, gewöhnlich aus Grossmannssucht und ohne Vorsicht, die unglaublichsten dinge in pessimistischer Art erzählen. So wird die Stimmung auch von der Furcht beeinflusst, dass der Bolschewismus noch einmal wiederkäme.

In den national denkenden deutschfreundlichen Kreisen hat die Tatsache, dass der ehemalige Finanzminister V a l d m a n i s vom Generalkommissar als Vertrauenspersönlichkeit herausgestellt wird, ernüchtert und stimmungsverschlechternd gewirkt. Deutschfreundliche Letten sehen in ihm einen Konjunkturpolitiker und politischen Jongleur.

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Auch in Lettland beeinflussen die Ernährungslage, das dauernde Schlangestehen vor den Geschäften nud insbesondere der ungeheure Mangel an Heizmaterial die Stimmung der Bevölkerung stark.

Eine allgemein bessere Stimmung bei der Landbevölkerung in Lettland ist daraus zu schliessen, dass die für die deutsche Wehrmacht erfolgte Sammlung eine ausgesprochen gutes Ergebniss hatte. Z.B. hat das Gebiet Semgallen mit weniger als 300.000 Einwohnern 87.000 Stück Wintersachen, darunter 5.400 Pelze, gespendet.

Überhaupt muss in Lettland festgestellt werden, dass sich die schlechten Stimmungsäußerungen ausschließlich gegen Stellen der deutschen Zivilverwaltung richten und die deutsche Wehrmacht nach wie vor beliebt ist.

Ausgesprochen schlecht ist die Lage und Stimmung der […] in den grösseren Städten Lettlands. Die Indus…löhne sind gering. Es sind Fälle bekannt, dass ein 18jähriges Mädchen als Stenotypistin 40.-RM im Monat mehr verdient als ihr Vater als Facharbeiter.

Dass Letten auf der einen Seite die Hälfte der Nahrungsmittelrationen erhalten, auf der anderen Seite aber ebenso zu Sammlungen aufgefordert werden, und dass es weiter Letten verboten ist, die Jagd auszuüben, während sie andererseits aufgefordert werden, sich freuwillig zum RAD zu melden, gehört zu den vielen gleich ständigen Stimmungsbeschwerden der lettischen Bevölkerung.

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In E s t l a n d ist die allgemeine Stimmungslage weitaus deutschfreundlicher und positiver. Hier hat auch z.B. die Wintersachen-Sammelaktion den grössten Widerhall gefunden, wie überhaupt in Estland noch fast überall der innere Wille, den Deutschen auf allen Gebieten zu helfen, hervortritt. Überrascht hat das überaus bescheidene Ergebnis der Werbungen für den Reichsarbeitsdienst. Dies ist aber wahrscheinlich auf den grossen Mangel an Arbeitskräften, insbesondere in der Landwirtschaft, und die starke Beteiligung der estnischen Jugend bei der Aufstellung der Schutzmannschaften zurückzuführen.

Die Lebensmittelversorgung in Estland, das nur die grössere Stadt Reval und einige kleinere Städte hat, ist nicht wesentlich besser als in den anderen Ländern.

Zweifellos ist die L… auch darauf zurückzuführen, dass die deutsche Verwaltung den […] ..schtigt behandelt und in ihren […] und ihrer Propaganda geschickter ist als in den anderen Ländern.

In W e i ß r u t h e n i e n war die Stimmung der Bevölkerung während der Wehrmachtsverwaltung grundsätzlich […] ausgeprägten politischen Wünsche traten nicht in Erscheinung. Die Tatsache, dass Deutschland ein völkischen Unterschied zwischen Weissruthenen und Russen macht, wurde zumindest bei den intelligenteren Schichten

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Schnell begriffen und begrüsst. Von der Zivilverwaltung wurde erwartet, dass sie alsbald durch Verlautbarung oder wenigstens durch ihre Massnahmen erkennen liesse, wie die zukünftige Gestaltung des weissruthenischen Raumes erfolgen soll. Die Tatsache, dass zweifellos eine klare Zielsetzung in den Verwaltungsmassnahmen fehlte, hat die Bevölkerung erkannt. Sie hat auch Gelegenheit gehabt, die Uneinigkeit innerhalb der deutschen Verwaltungsdienststellen zu sehen und daher im Laufe der Zeit stimmungsmässig in negativem Sinne reagiert.

Ein Versuch weissruthenischer Kreise, einen landeseigenen Generalrat zur Unterstützung des Generalkommissars zu schaffen, der seitens des Generalkommissars überhaupt nicht in Erwägung gezogen wurde, ist in der Bevölkerung ziemlich weit bekannt geworden und hat […] geführt.

Für die Landbevölkerung ist stimmungsmässig die Frage der künftigen Agrarverfassung entscheiden, die bisher nicht geklärt ist.

Versuche der Zivilverwaltung, die Weissruthenen für bestimmte politische Parolen zu begeistern, haben keinerlei Resonanz gefunden. Gegenpropaganda findet immer starke Aufnahme, wenn auch aktiver Widerstand ausserordentlich gering ist.

Im ganzen gesehen muss die Stimmung in Weissruthenien als schlecht und resigniert bezeichnet werden.

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In den Operationsgebieten der 16. Und 18. Armee wird die Stimmung fast ausschliesslich durch die Kampflage und die Lebensmittelversorgung beeinflusst. Der Winter mit den Versorgungsschwierigkeiten und der Stillstand und teilweise Rückgang der Front hat eine Verschlechterung der Stimmung der anfangs ziemlich aufgeschlossenen Bevölkerung mit sich gebracht.

Die im unmittelbaren Kampfgebiet herrschende katastrophale Ernährungslage hat teilweise zu Kannibalismus unter der Bevölkerung und zu einem dauernden Wandern der Einheimischen geführt. Die Strassen hinter den Kampfgebieten zeigen ununterbrochene Züge von Menschen, Pferden und Handschlitten, die in alle Richtungen wandern.

Das Interessen der Menschen geht im Allgemeinen über die Frage ihres täglichen Brotes nicht hinaus.

2.) Politik und Verwaltung

Als am 1. September 1941 das Reichskommissar für das Ostland die Verwaltung Lettlands und am 5. Dezember 1941 auch Estlands übernahm, erwartete die gesamte Bevölkerung dieser Gebiete binnen kurzem eine öffentliche Festlegung der deutschen Stellen über die zukünftige einzuschlagenden Wege in Politik und der Verwaltung und über die Verwaltungsform der

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übernommenen Gebiete. Eine solche Bekanntgabe ist bis heute nicht erfolgt. Der Reichskommissar und die Generalkommissare haben sich mit Presseaufrufen der Bevölkerung angekündigt und ihre Herrschaft ohne wesentliche propagandistische Unterstützung angetreten.

Die Bevölkerung der besetzten Gebiete erwartete von der deutschen Zivilverwaltung vor allen dingen eine Abschaffung aller bolschewistischen politischen und wirtschaftlichen Einrichtungen, die die persönliche Freiheit und die persönliche Initiative einschränkten. Sie waren sich sicherlich, von geringen Ausnahmen abgesehen, darüber klar, dass ein Wiedererstehen ihrer staatlichen Selbstständigkeit in ähnlicher Form, wie sie vor der bolschewistischen Zeit bestand, nicht erfolgen würde.

Die Begeisterung und Freude über die Befreiung vom Bolschewismus war allgemein. In jedem Generalkommissariat standen deutschfreundliche, an sich national denkende, aber unbedingt positive Kräfte in genügender Anzahl zur Mitarbeit am Aufbau und vor allen Dingen an der erforderlichen Kriegsarbeit zur Verfügung. Von diesen einheimischen Kräften wurden nur geringfügig Gebrauch gemacht. Ohne dass die deutsche Verwaltung einheitliche Richtlinien und Zielsetzungen hatte – in Gesprächen mit den Angehörigen der deutschen Zivilverwaltung kam dies immer wieder klar zum Vorschein – hat sie die Regierung und die Verwaltung der besetzten Länder übernommen und allmählich, mit inneren Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten

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Kämpfend, versucht, auf allen Gebieten der Politik und der Verwaltung ohne wesentliche Mitarbeit der zur Verfügung stehenden einheimischen Institutionen und Einrichtungen auszukommen. Die Generalkommissare und ihre Dienststellen arbeiteten nach verschiedenen Methoden und dementsprechend auch mit verschiedenen Erfolgen.

Die zur Zeit stattfindenden Verhandlungen bei den Dienststellen des Reichskommissars über die Verwaltungsform haben auch heute noch nicht zu einer Einigung geführt. Während einzelne Verwaltungsstellen die weitgehende Beteiligung landeseigener Behörden an der Verwaltung vorschlagen, sind andere, insbesondere Wirtschaftsstellen der Ansicht, dass die gesamte Verwaltung unter allen Umständen in deutschen Händen bleiben muss.

Über die Frage der Eindeutschung bestimmter Teile der Bevölkerung und vor allen Dingen über die Methoden dieser Eindeutschung besteht mit einer […] keinerlei Klarheit. Die Ausnahme bildet der Leiter der estnischen inneren Verwaltung, der ein klares, der Öffentlichkeit zunächst unbekanntes, aber mit geschickter Propaganda eingeleitetes Eindeutschungsprogramm verfolgt.

Zur Beurteilung der Möglichkeiten bei einer Beteiligung der einheimischen Verwaltung kann folgendes Beispiel aus der Wirtschaft dienen:

Die Heeresgruppe Nord hat im November von der deutschen Wirtschaftsverwaltung in Estland die Herstellung von Filzüberschuhen, für die Fabriken, Rohstoffe und Arbeitskräfte zur Verfügung standen, verlang. Die deutschen

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Wirtschaftsdienststellen lieferten im Monat November etwa 5.000 Paar. Da diese Anlieferung für die Heeresgruppe zu gering war, wurde versucht, die estnische landeseigene Verwaltung mit einzuschalten. Dieser gelang es, eine Produktion von täglich annähernd 2.000 derartiger Filzschuhe zu erreichen und diese Produktion abzuliefern.

Irgend eine Popularität hat sich die deutsche Verwaltung des Reichskommissariats im Gegensatz zu der Wehrmacht nicht erworben. Heute noch wird von einzelnen Truppenführern der Wehrmacht, die bei der Besetzung Lettlands besonders hervorgetreten sind, mit Anerkennung und Verehrung gesprochen. Dass z.B. die Dienststellen der deutschen Zivilverwaltung in Riga – […] – nach 16 Uhr und Mittwoch Nachmittag nicht arbeiten, wird weder von den Einheimischen noch von anderen deutschen Dienststellen verstanden und steht im Widerspruch zu der Propaganda-Aufforderung auf restlosen Arbeitseinsatz für den Krieg.

Die Deutsche Zivilverwaltung hat im gesamten Reichskommissariat eine Fülle von Anordnungen auf allen Gebieten erlassen, deren Durchführung erst allmählich durchbesetzt werden muss. Nicht immer sind die Generalkommissare mit den Anordnungen des Reichskommissars einverstanden. Diese Tatsache bleibt auch der Bevölkerung nicht verborgen.

Die in deutschen Verwaltungsdienststellen eingesetzten reichsdeutschen, insbesondere in den unteren Stellungen, haben meistens eine zielklare Ausrichtung nicht erfahren müssen

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Nach persönlichen Anschauungen entscheiden. In einzelnen Fällen bringen sie die notwendigen geistigen und moralischen Qualitäten für ihr Amt nicht mit und sind einheimischen Verhandlungspartnern in jeder Beziehung unterlegen. Mit Ausnahme von Estland besteht eine intensive, reibungslose und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der deutschen Zivilverwaltung und landeseigenen amtlichen oder privaten Stellen nicht.

In L i t a u e n sind, nachdem im Juli vorigen Jahres die provisorischen Regierungen abgesetzt wurden und ein längeres Verwaltungsdurcheinander bestand, Generalräte und Gebietsräte eingesetzt worden, ohne dass deren Zuständigkeiten klar festgelegt wurde. In den meisten Fällen bestand ihre Arbeit daraus, deutsche Anordnungen zu übersetzen und für ihre Bekanntgabe zu sorgen. Einsprüche und Verbesserungsvorschläge wurden grundsätzlich nicht angenommen. Erst in allerletzter Zeit bestand die Möglichkeit, deutsche Anordnungen in der Presse propagandistisch vorzubereiten bzw. ihre Durchführung zu unterstützen.

Die deutsche Verwaltung selbst klagt darüber, dass Anordnungen des Reichskommissariats aus einer Notwendigkeit, die sich für bestimmte Gebiete ergibt, geschaffen und dann auch gleich für das gesamte Reichskommissariat erlassen werden.

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Im Dezember 1941 ist die völlige Auflösung der Aktivisten- und Nationalisten-Partei in Litauen erfolgt. Die Nationalisten-Partei nahm für sich in Anspruch, dass sie, hervorgegangen aus der Organisation „Der Eiserne Wolf“, sich schon seit Jahren für ein Zusammengehen mit Deutschland eingesetzt hätte und insgesamt die Widerstandsbewegung gegen den Bolschewismus, die nachher zu bewaffneten Aufständen und Partisanenkämpfen geführt hat, organisiert und geführt hätte. Sie hat dabei jedoch stets eigenstaatliche Interessen verfolgt und auch nach der Besetzung durch Deutschland diese durchzusetzen versucht.

Irgendwelche landeseigene politischen Organe gibt es danach in Litauen nicht mehr.

In L e t t l a n d wurde von dem Teil der Bevölkerung, der sich für die politische Entwicklung interessierte, die Einführung einer lettischen Selbstverwaltung in irgend einer Form sehnlichst erwartet. Diese Erwartungen sind auch heute noch nicht ganz verschwunden. Tatsächlich besteht eine lettische Selbstverwaltung in Form beratender Dienststellen, die in bestimmte Fachrichtungen aufgeteilt sind und „Generaldirektorien“ heissen. Der Einfluss und die Tätigkeit sind verschieden, Auf wirtschaftlichem Gebiet sind sie fast völlig ausgeschalten, in der inneren Verwaltung

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Personalpolitik üben sie eine beratende Rolle aus. Entscheidend sind sie nur auf dem Gebiete der lettischen Justiz und der lettischen Kultur tätig. Der Generaldirektor für die innere Verwaltung, General D a n k e r s , war ursprünglich vom Ostministerium als erster Vertrauensmann für den Generalkommissar vorgesehen. Er hat sich jedoch nicht gegen den ehemaligen lettischen Finanzminister V a l d m a n i s durchgesetzt, der tatsächlich zur Zeit der einflussreichste Lette bei der deutschen Verwaltung sein dürfte. Dankers hat seine Opposition gegen Valdmanis inzwischen aufgegeben und auf Verlangen des Generalkommissars einen teil seiner bisherigen Mitarbeiter ausgewechselt.

Die in den letzten Wochen stärker zu spürende Heranziehung von Valdmanis und Dankers durch Generalkommissar ist zweifellos auf die guten Erfahrungen zurückzuführen, die in Estland mit der estnischen Selbstverwaltung unter Dr. Mae gemacht worden sind.

Valdmanis ist eine weiterhin bekannte Persönlichkeit und gilt als klug und geschickt, aber egoistisch und wird insbesondere von allen deutschfreundlichen Kreisen abgelehnt.

In den ersten Monaten ..ch der Besetzung Lettlands durch deutsche Truppen spielte die Pekonkrust-(… Bewegung eine politische Rolle und versucht, sich zu organisiere… . Die Deutsche Militärverwaltung unterstützte damals die Absichten der Sicherheitspolizei, geeignete aktive deutschfreundliche Kräfte aus der Perkonkrustbewegung in den […] ohne dabei die

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Bewegung selbst zu fördern bzw. sich organisatorisch sammeln zu lassen. Seitdem Valdmanis, der ein alter Feind der Perkonkrust-Bewegung ist, Einfluss beim Generalkommissar gewonnen hat, sind die meisten Perkonkrustanhänger, die in Verwaltung und Wirtschaft mitarbeiteten, in andere Stellen versetzt worden.

Die politische Arbeit der Gebietskommissare ist verschieden. Soweit sie nicht an Weisungen des Generalkommissars oder an Verordnungen gebunden sind, richten sie ihre Arbeit nach eigenem ermessen ein. Anklang in der Bevölkerung hat wider Ewarten am meisten der Gebietskommissar von Mitau, v. M e d e m, gefunden, trotzdem er ursprünglich als bekannter Baltendeutscher abgelehnt wurde.

In E s t k a n d hat das ungewöhnlich geschickte und […] Verhalten des Generalkommissars die allgemeine Entwicklung sehr gefördert. Sein Entgegenkommen gegenüber dem estnischen nationalen Selbstbewusstsein, gepaart mit einer sicheren und straffen Regierung, hat ihm das Vertrauen der Esten eingebracht. Da er der von Dr. M a e geleiteten estnischen Selbstverwaltung die Durchführung einer Anordnung überlässt, und diese seine Massnahmen propagandistisch vorbereitet, entstehen verhältnismässig wenig Reibungen. Das gleiche ist bei den Gebietskommissaren in Estland allgemein fest zustellen. Die Zusammenarbeit zwischen Generalkommissar, Gebietskommissaren und Sicherheitspolizei ist gut.

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Die Versuche des Generalkommissars, durch persönliche Besuche von Fabriken und Ansprachen an die Arbeiter auch persönlich Fühlung zu der Bevölkerung zu haben, werden anerkannt und fördern die Popularität des Generalkommissars.

Die Mitarbeiter der deutschen Verwaltung bestehen im Generalkommissariats Estlands überwiegend aus SA-Führern, die sich im allgemeinen größte Mühe geben, sich mit den Verhältnissen vertraut zu machen und das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Sie werden vom Generalkommissar straff geführt.

Die estnische Selbstverwaltung arbeitet unermüdlich mit dem Ziele des Wiederaufbaus des Landes und der Einführung geregelter Verhältnisse. Ihr Leiter, Dr. M a e , verfolgt mit seinen engsten Mitarbeitern ein klares, auf 20 Jahre berechnetes Eindeutschungsprogramm, das der Öffentlichkeit natürlich nicht bekannt ist.

Konflikte zwischen deutschen und estnischen Verwaltungsstellen entstehen meistens aus folgenden Gründen:

bei fachlicher Überlegenheit eines estnischen Sachbearbeiters gegenüber seinem deutschen Vorgesetzten.

Bei wirtschaftlichen Forderungen an die Esten, die weniger politischer als kapitalistischer Natur sind (z.B. versuchte Übernahme des gesamten estnischen Handels durch 10 reichsdeutsche Grosshandelsgesellschaften)

Bei psychologischen Fehlern deutscher Amtsträge in der Behandlung der Esten.

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In W e i ß r u t h e n i e n ist die Zivilverwaltung mit der Absicht eingezogen, die gesamte Verwaltung des Landes restlos in deutsche Hände zu übernehmen und insbesondere die Wehrmachtsverwaltung möglichst schnell überflüssig zu machen. Die von der Wehrmachtsverwaltung geleistete Vorarbeit wurde übersehen, und es bildete sich bald ein äusserst gespanntes Verhältnis zwischen Zivilverwaltung und Wehrmacht, das inzwischen zum Abbruch fast aller Beziehungen geführt hat. Bei beiden Lagern wurde laufend belastendes Material gegen die andere Seite gesammelt.

Trotz des grossen Eifers, mit dem die Zivilverwaltung an die Arbeit ging, war sie den Aufgaben einer totalen Führung der Verwaltung schon deshalb nicht gewachsen, weil sie garnicht über genügend Personal insbesondere bei dem Gebietskommissaren, verfügt. Abgesehen davon war das vorhandene Personal mit den Verhältnissen nicht vertraut und nahm Belehrungen anderer Dienststellen, der Wehrmacht oder der Sicherheitspolizei nicht an. Bis heute ist weder eine Grundlinie zur Behandlung der in Weißruthenien schwebenden Probleme noch eine Klarheit über die Verwaltungsform vorhanden. Zersplitterung der einzelnen Arbeitsvorgänge, sich widersprechende Anordnungen wirkten lähmen auf die Verwaltungsarbeit.

Die Stellung der deutschen Amtsträger zu den Weißruthenen ist auffallend verschieden und geht von der herzlichen Freundschaft bis zur taktlosesten Ablehnung. Einzig in

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Der Behandlung einzelner kultureller Fragen, wie Volkspflege, Schule, Theater und Kirche hat sich allmählich eine einheitliche politische Richtlinie herausgeschält. Der Vorschlag der Ernennung eines weißruthenischen Generalrates ist vom Generalkommissar nicht in Erwägung gezogen worden.

3.) Propaganda

Beim Reichskommissariat und bei den Generalkommissariaten besteht seit Beginn ihrer Tätigkeit besondere Propagandaabteilungen. Die Wichtigkeit einer gut durchgeführten geschickten und psychologisch richtigen Propaganda, insbesondere in den baltischen Randstaaten, ist von allen Stellen erkannt worden. Wenn auch mit einer gewissen Anlaufzeit gerechnet werden musste, ist die bisher geleistete Propagandaarbeit und vor allem der Erfolg der Propaganda recht spärlich.

Das Fehlen einer organisierten Zusammenarbeit der deutschen Dienststellen macht sich hier besonders dadurch bemerkbar, dass Verordnungen wichtigster Art von stimmungsbeeinflussender Wirkung ohne jeden Kommentar oder aber mit politisch völlig falschem Kommentar (z.B. Rundfunkverordnung) erlassen werden, und die zuständigen Propagandastellen keine Möglichkeit bekommen, sie propagandistisch vorzubereiten oder nachträglich zu behandeln. Dies

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trifft insbesondere für Wirtschaftsverordnungen aller Art zu.

Heute noch stellt die Bevölkerung jedem Deutschen, mit dem sie in Berührung kommt, immer wieder Fragen grundsätzlicher Natur, über die sie nicht orientiert ist. In der Durchschnittsbevölkerung fehlt vollkommen die Grundlage einer politischen und weltanschaulichen Aufklärung, wie sie im Deutschen Reich schon seit Jahren vorhanden ist. In der bolschewistischen Zeit gab es nur die unerhört starke und suggestive bolschewistische Propaganda und vorher die jüdisch beeinflusste anglophile und demokratische Regierungspropaganda. Der Hunger der einheimischen Bevölkerung nach politischer Aufklärung ist sehr gross. Dies beweisen die Auflageziffern der Zeitschriften und der Besuch der wenigen Propagandaveranstaltungen.

Die Mängel der deutschen Propaganda, die den zuständigen Dienststellen wiederholt benannt und dort auch erkannt worden sind, werden allmählich geringer. Einer der größten Mängel besteht darin, dass zwar die deutschsprachige Zeitungen ausgezeichnet und anerkannt sind, dass aber Zeitungen in der Landessprache noch sehr zu wünschen übrig lassen und zu wenig unterstützt werden. Solange der grösste Teil der Bevölkerung die deutsche Sprache nicht beherrscht, kann eine propagandistische Beeinflussung nur in der Landessprache erfolgen. Das gleiche gilt für den Rundfunk, Propagandavorträge und dergleichen.

Der Wert der Aufklärung durch den einzelnen Deutschen, insbesondere Wehrmachtsnagehörigen, ist in politischen Tagesfragen, die die Einheimischen besonders interessiert, gering,

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weil die Reichsdeutschen selbst nicht informiert sind und z.Tl. völlig unrichtige und auch unvorsichtige Auskünfte geben. Eine Steuerung der Propaganda ist bisher nicht geschehen. Unbedingt notwendig erscheint die Herausgabe von Aufklärungsschriften, Büchern und Brotschüren über das Leben des Führers, die Partei, die Geschichte des Nationalsozialismus usw. Im Hinblick auf das, was der Bolschewismus in seiner einjährigen Herrschaftszeit in den baltischen Ländern an Propaganda über seine Ideologie und seine führenden Männer herausgegeben hat, sind die deutschen Anstrengungen […] kümmerlich.

Zu den Rundfunksendungen in den Landessprachen, die natürlich wegen der Bedürfnisse der Front gering sind, fehlen geschickte Kommentare zu den Verordnungen der Zivilverwaltung und volkstümliche Vorträge über politische Gebiete, gegen allgemein verbreitete Falschmeldungen und Gerüchte usw., ähnlich etwa der Zeitungs- und rundfunkschau der deutschen Sender.

Auch die im Reichskommissariat Ostland gezeigten ….filme lassen zum Teil noch sehr zu wünschen übrig. Abgesehen davon, dass z.Tl. […] Ladenhüter aus dem Reich vorgeführt werden, fehlen Filme mit nationalsozialistischer Tendenz und die im Reich vorhandenen Filme über die Geschichte des Dritten Reichs. Die Wochenschauen, die im Ostland gezeigt werden, sind gewöhnlich zwei bis sechs Wochen alt und z.Tl. dadurch nicht mehr aktuell. Wenn auch die Bilder von der Front trotzdem gern gesehen werden, so erwecken die Bilder von lange zurückliegenden anderen Ereignissen, wie Staatsbesuchen usw., keinen Widerhall.

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Es muss noch erwähnt werden, dass die in Lettland erscheinende meistgelesenste Zeitung in lettischer Sprache „Tovija“ heute noch einen riesigen Inseratenteil, z.Tl. noch Privatinserate zweideutigster Art, enthält, die selbst von der lettischen Bevölkerung abgelehnt werden. In lettischen Kreisen geht das (ungeprüfte) weit verbreitete Gerücht, dass die Zeitungen zu Gunsten deutscher Stellen finanzielle Überschüsse abwerfen müsse. Das gleiche wird für die von dem Letten Freimanis herangezogene Zeitschrift „Iaikmets“ behauptet, die allerdings inhaltlich wie in der Aufmachung ausgesprochen gut ist, in einer wöchentlichen Auflage von 60.000 – 100.000 Exemplaren innerhalb weniger Stunden abgesetzt wird und ein gutes Propagandamittel darstellt.

Beim Generalkommissar Lettland wird die Schaffung eines Propagandaringes nach dem Muster der Gaupropagandaringe geplant. Im ring sollen auch lettische Dienststellen und Organisationen vertreten sein. Es ist anzunehmen, dass in nächster Zeit auch in den anderen Generalkommissariaten mehr für die politische Propaganda getan wird.

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4.) Kulturelle Gebiete.

a) Hochschulen

Das gesamte Hochschulwesen im Gebiet des Reichskommissariats Ostland wird durch einen grundlegenden Erlass des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete bestimmt. Dieser Erlass geht davon aus, dass die vorhanden gewesenen Hochschulen während der bolschewistischen Zwischenzeit aufgehört haben zu bestehen. Um auf lebenswichtigen Gebieten keinen Ausfall an Nachwuchs zu haben, ist jedoch die Eröffnung bestimmter Fakultäten vorgesehen. In Betracht kommen die medizinischen, die tierärztlichen, landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen und technischen Fakultäten und die entsprechenden Fachhochschulen. Für später sind folgende deutsche Hochschulen im Reichskommissariat Ostland vorgesehen.

Reichsuniversität in Dorpat

Technische Hochschule in Riga

Landwirtschaftliche Hochschule in Kauen nebst Veterinärakademie.

Da der Erlass des Reichsministers erst bekannt wurde, als die Lehrtätigkeit an den Hochschulen des Reichskommissariats wenigstens für die Examenssemester bereits voll aufgenommen war, ist das Inkrafttreten des ministeriellen Erlasses vom Reichskommissar zum nächsten Semester vorgesehen. Ob aber der übergrosse Bedarf an Nachwuchs die

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Durchführung des ministeriellen Erlasses schon im nächsten Semester möglich machen wird, lässt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Zur Zeit ist jedenfalls der Lehrbetrieb an den vorhanden gewesenen Hochschulen, wenigstens für die Examenssemester, voll im Gange. Eine Ausnahme bilden lediglich die theologischen Fakultäten, denen jede Lehrtätigkeit untersagt worden ist.

Kommunistische und deutschfeindliche Elemente sind aus dem Lehrkörper, der Verwaltung und der Studentenschaft entfernt worden.

Im Generalbezirk L i t a u e n sind zur Zeit folgende Hochschulen geöffnet:

Universität Wilna

Universität Kauen

Landwirtschaftliche Akademie in Dotnuva

Tierärztliche Akademie in Kauen

Handelsinstitut in Siauliei

Pädagogisches Insitut in Wilna

Kunstakademie in Wilna

Konservatorium in Kauen

Die Zahl der Studierenden an den einzelnen Hochschulen ist fast normal. Eine Ausnahme bildet lediglich die Universität Wilna. Zeitlich bedingte Transport- und Ernährungsschwierigkeiten haben die Zahl der Studierenden an der Universität Wilna verringert.

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Im einzelnen weisen die genannten Hochschulen, mit Ausnahme der Landwirtschaftlichen Akademie in Dotnuva und der Tierärztlichen Akademie in Kauen, für die genannte Zahlen nicht vorhanden sind, folgende Hörerzahlen auf:

Hochschule Männer Frauen insges

Universität Wilna 502 276 778

Universität Kauen 1097 523 1620

Handelsinstitut 181 65 246

Siauliei

Pädagogisches Instit. 109 96 205

Wilna

Kunstakademie Wilna 52 30 82

Konservatorium Wilna 174 120 294

Gesamthöherzahl oben

genannter Hochschulen 2115 1110 3225

Die in der Zeit des Sowjetregimes eingeführten Anordnungen in den einzelnen Hochschulen sind aufgehoben worden, die Hochschulen arbeiten nach ihren alten Satzungen, die entsprechend den derzeitigen Verhältnissen berichtigt und ergänzt worden sind.

Im Generalbezirk L e t t l a n d sind im Augenblick die Universität Riga und die Landwirtschaftliche Akademie in Mitau geöffnet.

An der Universität Riga wird die Lehrtätigkeit in der medizinischen, zahnmedizinischen, veterinärmedizinischen, mechanischen, chemischen, architektonische,

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ingenieurswissenschaftlichen und mathematischen Fakultät durchgeführt. Die rechtswissenschaftliche, nationalökonomische, philologische und theologische Fakultät sind geschlossen.

Die Aufnahme der Lehrtätigkeit in den geöffneten Fakultäten fand am 1. Oktober 1941 statt. Augenblicklich studieren an der Universität Riga etwa 4000 Studenten. Etwa 3000 stehen ausserhalb ihres Studiums, da ihre Fakultäten noch geschlossen sind. Auf die Eröffnung der juristischen und volkswirtschaftlichen Fakultät warten etwa 2000 Studenten. Für die philologische Fakultät sind 800 vorhanden.

Aufgrund eines Beschlusses des Universitätsrates vom 1. Juli 1941 sind 149 Lehrkräfte wegen politischer Unzuverlässigkeit und aus sonstigen gründen entlassen worden. Inzwischen ist aber der Lehrkörper durch zuverlässige Lehrkräfte wieder aufgefüllt worden. Er umfa0t zur Zeit 327 Professoren, Dozenten und wissenschaftliche Hilfskräfte. Die Zahl der Professoren beläuft sich auf 72, die der Dozenten einschliesslich der Privatdozenten auf 65, die der Lektoren auf 7 und die der wissenschaftlichen Hilfskräfte auf 183.

In Generalbezirk E s t l a n d hat die Technische Hochschule Reval ihren Lehrbetrieb am 26.1.42 wieder aufgenommen. An der Universität Dorpat ist der Hochschulbetrieb seit dem 29.1.42 wieder im Gange. An beiden Hochschulen ging der

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Wiederaufnahme des Lehrbetriebes eine kurze Feier voraus, der Vertreter der deutschen Zivilverwaltung und der estnischen Selbstverwaltung beiwohnten.

Die Universität Dorpat hat den Hochschulbetrieb nur mit der medizinischen, tierärztlichen und landwirtschaftlichen Fakultät wieder aufgenommen.

Für die Neuimmatrikulierung von Studenten an beiden Hochschulen ist ein numerus clausus festgesetzt worden. Danach darf die Zahl der Studierenden an der Universität Dorpat für die genannten Fakultäten nur 250 und an der Technischen Hochschule Reval nur 100 Studenten betragen.

Aus dem Lehrkörper der Universität Dorpat sind aus politischen Gründen 24 Professoren und Dozenten und 15 wissenschaftliche Hilfskräfte, und aus sachlichen Gründen 3 Dozenten und 89 wissenschaftliche Hilfskräfte ausgeschieden.

Die infolge Schliessung einzelner Fakultäten ohne Lehrauftrag gebliebenen Professoren, sollen anderweitig untergebracht werden. Neben übertragenen Forschungsarbeiten sollen vor allem die Professoren der geschlossenen philosophischen Fakultäten die Leitung von deutschen und weißruthenischen Sprachkursen übernehmen. Sie treten damit in die eröffneten Fakultäten über.

In W e i ß r u t h e n i e n und im altrussischen Gebiet ruht zur Zeit das gesamte Hochschulleben vollkommen.

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b) Schulwesen

Der Schulbesuch, namentlich in Volksschulen auf dem Lande wird in der augenblicklichen Jahreszeit erschwert, durch den Mangel an warmer Kleidung und tauglichem Schuhwerk, ebenso durch den mancherorts mehrere Kilometer betragenden Schulweg,

Hinzu kommt, dass in den von Kriegshandlungen betroffenen Gebieten die Schulgebäude vielfach völlig zerstört sind, in anderen Gegenden wieder werden die Schulhäuser für militärische Zwecke benötigt.

Diese zwangsläufigen Einschränkungen des Schulbetriebs bergen Gefahren für die schulpflichtige Jugend in sich. Die Jugend verwahrlost und sie gewöhnt sich daran, den Tag mit Nichtstun zu verbringen. Im Interesse der Erziehung der Jugend ist die Aufnahme eines geordneten Schulbetriebs dringend.

Es besteht grosser Mangel an geeigneten Lehrkräften und Lehrbüchern. Viele Lehrer sind verschleppt worden. Die jüngere Lehrerschaft ist fast ausschliesslich bolschewistisch orientiert gewesen. Die ist mit dem Abzug der Russen geflohen. Den älteren Lehrern geht die Fähigkeit ab, sich in die veränderten Verhältnisse einzufinden und den Schülern ein Bild von der Gegenwart zu vermitteln.

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Die vorhandenen Lehrmittel stammen zum größten Teil aus der Sowjetzeit. Sie sind daher unbrauchbar.

Im Bereich des Generalbezirks Litauen ist in besonders gefährdeten Gebieten der gesamte Schulbetrieb, um ein Ausbreiten der erhöhten Fleckfiebergefahr zu verhindern, beschlossen worden. Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Schulunterrichts ist noch ungewiss.

Der vorhandene Lehrermangel macht sich hier ganz besonders bemerkbar. Nach amtlichen Feststellungen sind etwa 1500 Lehrer aus Litauen von den Bolschewisten verschleppt worden. Um diesen Lehrermangel zu beheben, ist die Errichtung deutscher Schulen dringend.

Das mittlere-. höhere- und Fachschulwesen ist gut durchgebildet, sodass die Gewähr für ein ordnungsmässig ausgebildeten Nachwuchs für die Hochschulen und Fachberufe gegeben ist.

Es bestanden 23 Handwerksschulen mit 3.719 Schülern. An Handelsschulen gab es 4, in denen 1.758 Schüler unterrichtet wurden. An technischen Schulen waren zwei mit 1.111 Schülern vorhanden.

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Im Generalbezirk L e t t l a n d ist der Schulbetrieb an allen Schulen – bis auf die polnischen – wieder aufgenommen worden. Die Wiedereröffnung der russischen und weissruthenischen Schulen wurde von den Letten mit Entrüstung aufgenommen. Sie muss aber unbedingt befürwortet werden, da sonst entweder die russischen Kinder ohne Schulbildung heranwachsen oder in lettischen Schulen einer Lettisierung ausgesetzt sein würden. Die russischen Schulen bilden zudem auch ein wirksames Gegengewicht gegen die nationalen Bestrebungen der Letten.

Mit der feierlichen Eröffnung der Grund- und Fachschulen des Generalbezirks Estland am 1.11.41 ist der grösste Teil der Jugend, der durch die Entwicklung des letzten halben Jahres bereits in zu starkem Masse sich selbst überlassen war, wieder in einen geregelten Lehrbetrieb zurückgeführt.

Die schulische Arbeit ist erschwert durch die schwierige soziale Lage der meisten Schüler. Ein kürzlich gewährter Kredit des Bildungsdirektoriums an die Schulverwaltungen hat bis jetzt auf diesem Gebiet noch keine fühlbare Abhilfe schaffen könne.

In den älteren Schülerkreisen macht sich die in den letzten Jahren besonders Stark ausgeprägte „englische Richtung“ der Schulen noch bemerkbar.

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W e i ß r u t h e n i e n. Die Lage auf dem Gebiet des Schulwesens ist in den weißruthenischen Gebieten des ehemaligen Ostpolens vollkommen anders als in Ostweißruthenien, dem ehemaligen altsowjetischen Bereich. Während sich westlich der alten Sowjetgrenze die Zivilverwaltung bei der Wideraufnahme des Unterrichts des alten Lehrerbestandes und der Schulgebäude in grossem Masse bedienen konnte, ist das für das Gebiet ostwärts dieser Grenze nicht der Fall. Sie musste dort in Kauf nehmen, dass grössere Kontingente polnischer Lehrer zum Einsatz kommen. Selbstverständlich bleibt es das Bestreben der Zivilverwaltung, diese polnischen Lehrer durch weissruthenische zu ersetzen. Die Erreichung dieses Zieles ist aber noch sehr fern. Es war fraglich, ob bei dieser Sachlage nicht auf die Eröffnung der Schulen hätte verzichtet werden müssen.

Etwa 50 bis 60 % der Lehrerschaft – es stellten sich rund 11.000 Lehrer für 3.000.000 Schüler zur Verfügung – dürften politisch ungefährlich sein. Über die andere Hälfte kann ein einigermassen sicheres Urteil nicht abgegeben werden.

Inspektionen haben ergeben, dass die polnischen Lehrer sich bei der Gestaltung der Unterrichtspläne und des Unterrichts nicht an die ihnen vom Generalkommissariat gegebenen Weisungen halten. Es wird auf die weißruthenischen Kinder ein Terror ausgeübt, der im Hinblick auf die Auswirkungen oft erschütternd ist. Die Kinder wagen nicht zu

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erzählen, dass im Elternhaus weißruthenisch gesprochen wird. Auf die Frage: „Was bist Du?“, antworten die Kinder stereotyp: Pole. Nach diesen Erfahrungen muss das Ausscheiden aller polnischen Lehrer alsbald verlangt werden.

Von einer allgemeinen Wiederaufnahme des Schulbetriebes kann noch keine Rede sein. In den Gebieten, die durch die augenblicklichen militärischen Operationen betroffen werden, ruht naturgemäss das Schulleben vollkommen.

Die Stimmung in den Lehrerkreisen litt gleich nach Beginn der schulischen Arbeit durch zwei Nöte. Einmal war die Bezahlung nur ungemein niedrig. Kein Lehrer, ganz gleich welcher Fachrichtung, durfte mehr als 500 Rubel erhalten. Aber auch das konnte in zahlreichen Gemeinden nicht bezahlt werden, da teilweise schon zwei Monate kein Bargeld vorhanden war. Es ist vorgekommen, dass Lehrer bei ihren Schülern um Nahrungsmittel betteln mussten. zum anderen leidet die Lehrerschaft unter starkem Wohnungsmangel. Besonders katastrophal ist die Lage der Lehrerschaft in Minsk. Lehrer sind buchstäblich vor Ermüdung und Hunger im Unterricht zusammengebrochen.

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Seite fehlt vermutlich

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Jugendlicher befassten. Sie wurden von den ehemaligen Regierungen je nach der politischen Einstellung gefördert und finanziell unterstützt. Die kommunistischen Jugendorganisationen der UdSSR, als Abkürzung „Konsomolzen“ genannt, waren selbstständige Gliederungen der Kommunistischen Partei und Teile der kommunistischen Jugendinternationale.

Mit der Eroberung der dem Reichskommissariat Ostland unterstehenden Gebiete kam diese Jugendarbeit zum erliegen.

Aus der Erkenntnis heraus, dass die Jugend zum deutschen Wesen und zum Grossdeutschenen Reich erzogen werden muss, hat der Reichskommissar für das Ostland Richtlinien für die Jugendarbeit im Ostland aufgestellt. Es ist dabei an eine direkte Jugendführung durch eine neu zu gründende Organisation gedacht, als deren Aufgabe und Programm gilt: körperliche und geistige Ertüchtigung der J-ugend im Sinne einer nationalsozialistischen Weltanschauung unter Berücksichtigung der volklichen Eigenart. Die „Richtlinien“ sehen bezüglich der Gliederung und Führung vor, dass sich die Jugend innerhalb eines Kreises selbst durch landeseigene Führer führt. Für das Gebiet selbst soll ein deutscher Jugendführer eingesetzt werden. Die weitere Führung innerhalb der Generalbezirke und innerhalb des Reichskommissariats hat durch die Leiter der Jugendabteilungen der deutschen Verwaltung zu erfolgen.

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Gegen diese Art der Führung sind seitens verschiedener Generalkommissare starke Bedenken vorgebracht worden. Es wird von ihnen die Auffassung vertreten, dass es aus Gründen einer Jugendführung, die den Eigenarten des Volkstums gerecht werden soll, nicht erwünscht ist, das die deutschen Jugendführer bis in die unterste Verwaltungseinheit vertreten sind. Es genüge, wenn ein deutscher Jugendführer in der Verwaltung des Generalkommissars (als Referent in der politischen Abteilung) tätig sei, in den unteren Verwaltungseinheiten aber landeseigene Führer wirkten.

Kunst

Auf allen Gebieten des künstlerischen Lebens ist seit der Besetzung der dem Reichskommissariat Ostland angeschlossenen Gebiete durch die deutsche Wehrmacht ein Aufschwung zu verspüren. Eine gewisse Einschränkung gilt für Weißruthenien, während im altsowjetischen Gebiet jedes künstlerische Leben tot ist.

Während bis dahin das gesamte künstlerische Leben unter dem zersetzenden Einfluss der Bolschewisten stand, lebt das künstlerische Schaffen unter Betonung der volkstumsmässigen Eigenheiten neu auf. Ganz besonders gilt das für da Theater und für das Gebiet der bildenden Künste.

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Im Theaterwesen war es die erste Aufgabe, das gesamte Theaterpersonal von jüdischen und bolschewistischen Elementen zu säubern. Darüber hinaus galt es, dem Umstande Rechnung zu tragen, dass sich das Theaterpublikum mit dem Einziehen der Verwaltung des rückwärtigen Heeresgebietes und der deutschen Zivilverwaltung zu einem grossen Teil aus Deutschen zusammensetzt. Schliesslich soll das Theater auch dazu dienen, der Bevölkerung der besetzten Gebiete das Verständnis für deutsches Wesen und deutsche Denkungsart durch Oper, Schauspiel oder sonstige Bühnenstücke näher zu bringen. So haben fast alle Theater neben betont nationalen Veranstaltungen auch deutsche Vorstellungen in ihr Programm aufgenommen.

In grösseren Städten, wie Riga, Reval, Kauen, Minsk, u.a. bestehen Soldatentheater und ähnliche Einrichtungen, die im Rahmen der Truppenbetreuung und vor geschlossenem deutschen Publikum ihre Veranstaltungen abhalten.

In Litauen war die Ergreifung bestimmter Vorsichtsmassnahmen zur wirksamen Bekämpfung der bestehenden Fleckfiebergefahr erforderlich. So wurden u.a. auf Anordnung des Generalkommissars in Kauen auch sämtliche Theater und Kinos geschlossen und die Abhaltung ähnlicher Veranstaltungen für die Zivilbevölkerung verboten. Nur die der Unterhaltung und Betreuung der Wehrmacht dienenden Theater, Kinos, Kleinkunstbühnen usw. dürfen ihren Betrieb aufrecht erhalten. Durch die behördlich unumgänglich notwendigen Massnahmen ruht da Leben auf dem Gebiete des Theaters und Films.

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Auch jedes sonstige künstlerische Schaffen kann nach aussen nicht in Erscheinung treten.

Lettland. In der Rigaer Oper kamen national-lettische Werke in bunter Reihenfolge mit Opern nicht-lettischer Meister zur Aufführung. Das lettische Element überwog dabei. Die deutschen Bevölkerungskreise schenkten den aufführen der Oper größte Beachtung. So wohnte der Uraufführung der national-lettischen Oper „Banjuta“ von Kalninsch der Generalkommissar bei und gab durch seine Anwesenheit der Uraufführung auch deutscherseits ein besonders Gepräge.

Die Eröffnung des lettischen Volkstheaters hat in lettischen Kulturkreisen Veranlassung zu erregten Meinungsverschiedenheiten gegeben. Die Stellung der Kulturdirektion gegenüber diesem neugegründeten Theater ist absolut ablehnend. Das Theater, das im Rahmen der Institution „Erholung und Lebensfreude“ gegründet wurde, wird von den deutschen Stellen mit Vorrecht behandelt, da es vornehmlich deutsche Bühnenstücke zur Aufführung bringt.

Mitte Januar ist das ehemals lettische Nationaltheater, das bis vor kurzem als Soldatentheater diente, mit der Aufführung des lettischen Bauernstückes „Aus der süssen Flasche“ von Blaumann wieder eröffnet worden. Es führt jetzt den Namen „Lettisches Schauspielhaus“. Die Wiederinbetriebnahme dieses Theaters hat unter der Bevölkerung grosse Freude ausgelöst.

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In Libau wird eine Opernbühne und in Mitau ein Theater unterhalten. Beide Häuser erfreuen sich eines regen Zuspruchs seitens der einheimischen und deutschen Bevölkerung.

Film: In den Lichtspielhäusern werden ausschliesslich deutsche Filme gezeigt.

Bildende Kunst. Das deutsche Landesmuseum, das von der deutschen Militärverwaltung im Gebäude es Rigaer Städtischen Museums errichtet worden war, ist vom Generalkommissar wieder aufgelöst worden. Es wurde wieder in ein Kunstmuseum umgewandelt und der Stadt Riga übergeben. Anlässlich der Übergabe wurde eine grosse Kunstaustellung einheimischer Künstler durch den Generalkommissar eröffnet. Das Interesse auch der deutschen Bevölkerungskreise wie der deutschen Behörde für diese Ausstellung ist gross. ebenso werden von der deutschen Zivilbevölkerung private Kunstsalons, die in grosser Zahl vorhanden sind, recht rege besucht.

Estland.

Zwei Revaler Theater, das „Estnische Drama-Theater“ und die Oper der „Estonia“ haben in ihr Programm deutschsprachige Vorstellungen aufgenommen. Das „Arbeitertheater“ zeigt durch Veranstaltungen sog. „Finnisch-Ugrischer Abende“ und durch die Aufführung eines an sich unpolitischen finnischen Schauspiels gewisse „Stammverwandtschafts“-Tendenzen, die aber bei dem sowieso nicht ausschlaggebenden Publikum nur laue Beteiligung finden.

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Außer dem Revaler Theater hat das Unterrichtsdirektorium die Provinztheater in Werr o und Wesenberg mit finanziellen Zuwendungen unterstützt. Auch für die übrigen Theater („Wanemuine“ – Dorpat, „Estnisches Theater“ – Narva, „Endla“ – Pernau und „Ugala“ – Fellin“ werden geldliche Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln notwendig.

Das Bedürfnis nach guten deutschen Filmen ist in Estland sehr gross. In der Zeit der Zugehörigkeit zur Sowjetunion wurden vornehmlich sowjetische tendenzfilme gezeigt. Selten, dass auch einmal ein Film mit wirklich erstklassigen künstlerischen Eigenschaften vorgeführt wurde. Das Interesse am filmbesuch in Estland wird am besten durch folgende Zahlen verdeutlicht: Seit der Befreiung Estlands fanden in Reval (Stichtag 1.12.41) 740 Filmvorführungen, im übrigen Lande 1.600 statt. Sie wurden von 265.000. bzw. 370.000 Personen besucht.

Mitte Dezember 1941 wurde im Kunstgebäude zu Reval eine Kunstaustellung eröffnet, an welcher sich eine grosse Zahl estnischer Künstler beteiligten. Die Abweichung der estnischen Kunstauffassung von der deutschen bringt es mit sich, dass deutsche Besucher weniger Einkäufe vornehmen.

Durch die vom Konservator des Befehlshabers des rückwärtigen Heeresgebietes Nord eingeleitete Sammelaktion von Gemälden balten-deutscher und älterer Kunstmaler sowieso sonstiger wertvoller Kunstgegenstände stehen

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Kunstwerke im Werte von rund einer Million Reichsmark zur Verfügung, von denen die bedeutendsten demnächst durch eine Ausstellung, zum Teil erstmalig, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Weissruthenien.

Minks hatte zur Zeit der Sowjets 5 Theater. Laufend gestierten das „Moskauer Künstler-Theater“ und das „Polnische Theater“. Nach der Einnahme von Minks durch die deutschen Truppen kam das theaterleben bald wieder in Gang. Unter der Aufsicht der deutschen Wehrmacht wurden in Oper und Schauspielhaus gute deutsche und russische Bühnenstücke und Opern aufgeführt. Die Theatersprache war russisch.

Mit der Einführung der deutschen Zivilverwaltung trat eine grundlegende Änderung ein. Auf Betreiben weissruthenischer Kreise wurde ein „Weissruthenisches Theater“ ins Leben gerufen. Unter Beibehaltung des bisherigen Spielplanes und mit den bisherigen Kräften werden jetzt Theatervorstellungen in weißruthenischer Sprache gegeben. Bei der Zivilbevölkerung hat die weissruthenische Linie im Weissruthenischen Theater keine besondere Reaktion ausgelöst. auch das Theaterpersonal macht keine Schwierigkeiten. Es tut, was verlangt wird. Im allgemeinen aber macht man sich über den weissruthenischen Kurs lustig.

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Die Abteilung Propaganda des Generalkommissariats plant für das Frühjahr die Wiedereröffnung des ehemaligen „Historischen Museums“. An den Generalkommissar traten zu beginn des Jahres in Minsk verbliebene Künstler mit der Bitte heran, eine Ausstellung durchführen zu dürfen. Das Generalkommissariat verhält sich zunächst ablehnend dagegen.

weitere Ansätze zu einem weissruthenischen Kulturleben sind bisher nicht in Erscheinung getreten.

5.) Volkstum

die volkspolitische Lage im Reichskommissariat Ostland ist nach wie v or schwierig. Auch die Art, wie die deutsche Zivilverwaltung den Völkern gegenübertritt, ist mit Ausnahme von Estland recht uneinheitlich.

In Litauen ist die deutschfeindliche Einstellung der starken polnischen Volksgruppe in Wilnaer Gebiet weiterhin unverändert. Intelligenz und katholische Geistlichkeit hetzen auf jede mögliche Art und Weise. Flugschriften und illegale Zeitschriften in polnischer Sprache tauchen ununterbrochen auf. Die Spannungen zwischen Polen und Litauern haben sich weiterhin verschärft.

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In Lettland hat die allgemeine Lage ein erneut gestärktes völkisches Selbstbewusstsein der Letten hervorgerufen. Dies tritt im wesentlichen auf kulturellem Gebiet in Erscheinung, zur Begründung benutzt werden weiterhin die bekannten lettischen Volkstums- und Geschichtsforschungen, die zum grössten Teil Fälschungen darstellen. Dabei ist interessant, dass sich eine Absonderung der Letten von dem Mischvolk Lettgallens und der russischen Volksgruppe lettischer Staatsangehörigkeit immer stärker spüren lässt.

In Estland bestehen starke Bestrebungen, die in benachbarte Gebiete ausgewanderten Esten, insbeondere die aus dem Ingermanland, zurückzuholen. Diese Bestrebungen werden von der Einsatzgruppe unterstützt, soweit es sich um gutrassische Esten handelt.

Die etwa 8.000 Menschen starke schwedische Volksgruppe in Estland konzentriert ihr Eigenleben fast völlig auf das kirchliche Gebiet. Bestrebungen, eine Verbindung mit Schweden zu suchen, sind nicht vorhanden. Politisch tritt die Volksgruppe nicht in Erscheinung.

Die Absonderung von der russischen Volksgruppe an der Ostgrenze bestand immer und nach wie vor vorhanden. Das Russentum in der estnischen Grenze tendiert in jeder Beziehung in das altsowjetrussische Gebiet, treibt regen Lebensmittelschmuggel dorthin und steht in erster Linie den Esten

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und in zweiter Linie den Deutschen feindlich gegenüber. Von den Esten werden sie ausgesprochen schlecht behandelt, was sich insbesondere in der Pleskauer und Lugaer Gegend zeigt, wo estnische Hilfspolizei und Kriegsgefangenenbewachung tätig ist.

Die Lage in Weissruthenien ist in dem beiliegenden Sonderbericht – Anlg.6 – dargestellt.

Im altsowjetischen Gebiet wird zur Zeit die Aussiedlung der Volksdeutschen durchgeführt, die zum Teil mit Zwischenstationen in Estland in das Lager Konitz der Volksdeutschen Mittelstelle gebracht werden. Der Aussiedlung haben fast alle Volksdeutschen freudig zugestimmt. Sie sind mit grossen Erwartungen und z.Tl. mit begeisterten Freudenäusserungen abgefahren.

Die Registrierung der Esten und Finnen durch Hilfskräfte bei den Kommandos der Sicherheitspolizei ist demnächst abgeschlossen. Eine finnische Kommission hat die bisherigen Ergebnisse geprüft und während mehrtätiger Anwesenheit in Krasnogwardeisk die Frage der Aussiedlung geprüft. Technische Schwierigkeiten, insbesondere Transportschwierigkeiten, stehen einer sofortigen Lösung des Aussiedlungsproblems noch entgegen. Da ein Teil der Esten und Finnen in schlechtester wirtschaftlicher

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Lage ist und vor dem Verhungern steht, ist anzunehmen, dass die Finnische Regierung alsbald präzise Vorschläge bezüglich der Hilfeleistung für die Finnen machen wird. Die Aussiedlung der Esten wird von der estnischen Selbstverwaltung vorbereitet, die im übrigen auch eine Hilfsaktion für die notleidenden Esten durchführt.

6.) Volksgesundheit

Im Reichskommissariat Ostland sind Fleckfiebererkranken in grossem Umfang aufgetreten, die durch russische Kriegsgefangen eingeschleppt worden sind.

In Litauen musste die Schliessung der Kirchen und Kinos und teilweise auch der Schulen angeordnet werden. Diese Massnahme ist natürlich in Anbetracht der Zusammenballung in Gaststätten und beim Schlangestehen vor den Lebensmittelgeschäften nicht absolut wirksam. Die Epidemie ist in Litauen noch im Ansteigen. Die deutsche Gesundheitsverwaltung glaubt jedoch der Lage Herr zu werden.

In Lettland konnte die Fleckfieberepidemie in den meisten Kreisen bis auf den Kreis Dünaburg, in dem sie zuerst auftauche, eingedämmt werden. Im Monat Januar […]

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sind in Dünaburg noch über 200 Erkrankungen registriert worden. Die Stadt Riga, die zunächst vom Fleckfieber verschont blieb, hatte am 15. Januar über 30 Krankheitsfälle, darunter 11 Erkrankungen im Zentralgefängnis. Die deutschen Gesundheitsbehörden haben alle erforderlichen Massnahmen eingeleitet.

Ein gewisser Mangel hat sich in Lettland an Kindernährmitteln, u.a. auch Haferflocken, bemerkbar gemacht, der in der Bevölkerung bereits gewisse Unruhe erzeugt hat.

Die Säuglingssterblichkeit hat in den letzten Monaten in ganz Lettland gegenüber den Sommermonaten und gegenüber den Wintermonaten der vergangenen Jahre zugenommen.

In ganz Estland sind ebenfalls Fleckfiebererkrankungen aufgetreten. Der Infektionsherd ist wahrscheinlich das Kriegsgefangenenlager Fellin, dessen Insassen im Strassenbau beschäftigt und weit in das Land verstreut worden sind. Der Prozentsatz der Todesfälle ist, besonders bei den Kriegsgefangenen, sehr hoch. In einzelnen Kreisen Estlands sind Schulen, Kinos, Theater und Kirchen geschlossen. In Reval wird ein besonderes Isolierhaus für Fleckfieberkranke, die meistens aus den Kandgebieten stammen und zur Zeit 44 betragen, errichtet. Auch hier sind alle erforderlichen Massnahmen getroffen worden.

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Am stärksten von der Fleckfieberepidemie ist Weissruthenien betroffen, jedoch kann heute schon festgestellt werden, dass die gegen die Verbreitung getroffenen Massnahmen eine Stagnierung zum Erfolg hatten.

Im ganzen Gebiet Weissruthenien werden in letzter Zeit häufig Trachomerkrankungen festgestellt, die wohl in der Hauptsache auf den absoluten Mangel an Waschmitteln in der Landbevölkerung zurückzuführen sind.

Wegen der schlechten Verkehrslage ist die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln schlecht. Im Gegensatz zu den übrigen Generalkommissariaten sind alle hygienischen Einrichtungen, die ärztlichen Laboratorien und die Instrumentarien der Ärzte ausserordentlich primitiv. Das dem Generalkommissar und den Gebietskommissaren zur Verfügung stehende ärztliche Personal ist viel zu gering. Während der Wintermonate mussten verschiedentlich jüdische Ärzte zur Behandlung der einheimischen Bevölkerung herangezogen werden.

Im ganzen lässt sich sagen, dass die Verhältnisse im Gesundheitswesen im Reichskommissariat Ostland infolge der bestehenden guten Einrichtungen der drei Länder Litauen, Lettland und Estland im allgemeinen gut sind. Das Meldewesen über Ansteckungskrankheiten hat noch Mängel, die aber im wesentlichen auf die Verkehrsschwierigkeiten zurückzuführen sind. Die vorhandene Ärzteschaft führt ausnahmslos die von den deutschen Gesundheitsbehörden getroffenen

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Massnahmen willig und richtig durch. Abgesehen von den durch die Verkehrslage bedingten Schwierigkeiten ist sonst die ärztliche Versorgung im allgemeinen genügend.

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III. Juden

Die systematische Säuberungsarbeit im Ostland umfasste gemäss den grundsätzlichen Befehlen die möglichst restlose Beseitigung des Judentums. Dieses Ziel ist mit Ausnahme von Weissruthenien im wesentlichen durch die Exekution von bislang 229052 Juden (s. Anlage) erreicht. Der in den baltischen Provinzen verbleibende Rest wird dringend zur Arbeit benötigt und ist in Ghettos untergebracht.

Zur Erreichung dieses Zieles waren in den verschiedenen Gebieten des Ostlandes verschiedenartige Massnahmen erforderlich.

In den 3 baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen kam das Judentum erst nach der Machtübernahme durch den Bolschewismus entscheidend zur Geltung. Aber auch schon vorher war der Einfluss der Juden einerseits und die antijüdischen Regungen der Bevölkerung anderseits sehr stark.

Im Nachstehenden werden die verschiedenen Gebiete des Ostlandes getrennt behandelt.

1.) Estland

Da bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts Estland zu einer Sperrzone des russischen Reiches gehörte, in die der Zuzug jüdischer Elemente von auswärts verboten war, ist das Judentum im Lande zahlenmässig stets unbedeutend gewesen.

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Zu Beginn des Jahres 1940 lebten in Estland rund 4.500 Juden bei einer Gesamtbevölkerung von 1.2 Millionen. Wesentlich stärker als der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung war ihr Einfluss auf das Wirtschaftsleben des Landes. Die estnische Industrie war z.B. zu 11% in jüdischen Händen. Zur bolschewistischen Zeit wurde zwar das jüdische Privateigentum auch nationalisiert, die Juden selbst jedoch fast überall in ihren früheren Unternehmungen als Leiter belassen. Durch Verbindungen zur NKWD. schafften sich die Juden eine sehr starke Position. Sie beherrschten die Presse, die Kulturinstitute, drängten sich in die freien Berufe und hatten als einzige völkische Minderheit, neben den Deutschen, das Recht einer eigenen Kulturselbstverwaltung. Mit dem Vormarsch der deutschen Truppen verliess die Mehrzahl der Juden, zusammen mit den sowjetrussischen Behörden, das Land. Etwa 2000 Juden verblieben im Lande zurück. Davon wohnten in Reval allein fast 1000. Der mit dem anrücken der Wehrmacht gebildete estnische Selbstschutz begann zwar sofort Juden festzunehmen, doch unterblieben spontane Progrome. Erst von Sicherheitspolizei und SD. wurden die Juden nach und nach, sowie sie im Arbeitsprozess entbehrlich wurden, exekutiert. Heute gibt es in Estland keine Juden mehr.

2.) Lettland

Die Gesamtzahl der Juden in Lettland betrug im Jahre 1935: 93479 oder 4,79% der Gesamtbevölkerung. Bei der bolschewistischen Machtübernahme in Lettland im Juni 1940 gelang es den sowjet-

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russischen Rassegenossen den lettischen Juden, die vordem überwiegend zionistisch eingestellt waren, massgebenden Einfluss zu verschaffen. Während es vor 1940 in Lettland keine Juden als Staatsbeamte gab und überhaupt kein Jude in der Staatsverwaltung tätig war, waren in der sowjetrussischen Republik schnell alle einflussreichen Staatsstellungen in den Händen der Juden. Die Hälfte aller Richter war jüdisch. In den höheren Instanzen, insbesondere im Tribunal, betrug die zahl bis zu 80%. Ebenso stark war der Einfluss der Juden auf die Wirtschaft und im kulturellen Leben.

Beim Einmarsch der deutschen Truppen gab es in Lettland noch 70.000 Juden. Der Rest war mit den Bolschewisten geflüchtet. Die verbliebenen Juden betätigten sich lebhaft als Saboteure und Brandstifter. So wurden in Dünaburg von den Juden derart viele Brände angelegt, dass ein grosser Teil der Stadt vernichtet wurde. Nach dem Terror der jüdisch-bolschewistischen Herrschaft – es wurden insgesamt 33038 Letten verschleppt, verhaftet oder ermordet – wäre ein umfassendes Progrom der Bevölkerung zu erwarten gewesen. Tatsächlich wurden jedoch durch einheimische Kräfte nur einige tausend Juden aus eigenem Antriebe beseitigt. Es war notwendig, in Lettland durch Sonderkommandos, unter Mithilfe ausgesuchter Kräfte, der lettischen Hilfspolizei (meist Angehörige verschleppter oder ermordeter Letten) umfangreiche Säuberungsaktionen durchzuführen.

Bis zum Oktober 1941 wurden durch diese Sonderkommandos rund 30000 Juden exekutiert. Die restlichen, noch mit Rücksicht auf Wirtschafts-

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belange unentbehrlichen Juden, wurden in Gehttos zusammengefasst, die in Riga, Dünaburg und Libau errichtet wurden.

Im Zuge der Bearbeitung von Strafsachen wegen Nichttragens des Judensterns, Schleichhandels, Diebstahls, Betruges, aber auch um der Seuchengefahr in den Ghettos vorzubeugen, wurden in der Folgezeit weiter Exekutionen durchgeführt. So wurden a, 9.11.1941 in Dünaburg 11034, Anfang Dezember 1941 durch eine von Höheren – und Polizeiführer angeordnete und durchgeführte Aktion in Riga 27800 und Mitte Dezember 1941 in Libau 2350 Juden exekutiert. Zurzeit befinden sich in den Ghettos (ausser den Juden aus dem Reich) lettische Juden in

Riga rund 2500

Dünaburg rund 950

Libau rund 300.

Diese sind als gute Fachkräfte für die Aufrechterhaltung der Wirtschaft z.Zt. noch unentbehrlich.

3.) Litauen

Bis zum Einmarsch der Bolschewisten lebten nach einer Zählung im Jahre 1923 in Litauen 152743 Juden, die damit 7.58% der Gesamtbevölkerung darstellten. Während ihr Einfluss bis dahin im wesentlichen auf die Wirtschaft beschränkt war, nahmen die litauischen Juden, die auch vorher schon illegal für den Bolschewismus gearbeitet hatten, jetzt schnell einen beherrschenden Einfluss im öffentlichen Leben. Juden beiderlei Geschlechts unterstützten insbesondere die Tätigkeit der NKWD. Die Verschickung von 40000 Litauern nach Sibirien ist auf die Vorarbeit

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der Juden zurückzuführen.

Beim Einmarsch der deutschen Truppen führte der Hass der Litauer gegen die Juden zu wirksamen Progromen, zumal die jüdisch-kommunistische Jugend noch viele Städte, die von den deutschen Panzertruppen in wenig beschädigtem Zustande durchfahren worden waren, mit vorher bereitgestellten Benzinkanistern in Brand gesteckt hatte.

Bei den allerdings unter wesentlicher Mithilfe von Sipo und SD. durchgeführten Progromen von Litauern wurden in Kauen 3800, in den kleineren Städten rund 1200 Juden beseitigt.

Soweit es Juden gelungen war, zu fliehen, wurden sie nicht selten von den Bauern und Behörden ausgeliefert.

Diese spontanen Reinigungsaktionen reichten aber nicht aus, um den rückwärtigen Frontabschnitt zu stabilisieren, zumal der Eifer der einheimischen Bevölkerung auch alsbald nachliess.

Daher wurden durch ausgewählte Kommandos – meist in der Stärke 1:8 – zunächst die Gefängnisse, dann systematisch Kreis für Kreis des litauischen Gebietes von Juden beiderlei Geschlechts gesäubert. In vielen Einzelaktionen wurden insgesamt 136421 Personen liquidiert. Bemerkenswert ist, dass dabei mehrere Juden tätlich gegen die eingesetzten Beamten und litauischen Hilfskräfte vorgingen und vor der Exekution noch ihre bolschewistische Einstellungen kundtaten, in dem sie Hochrufe auf Stalin ausbrachten und Deutschland schmähten.

Da die restlose Liquidierung der Juden aus Gründen des Arbeitseinsatzes nicht durchzuführen war, wurden Ghettos gebildet, die zurzeit wie folgt belegt sind:

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Kauen rund 15000 Juden

Wilna rund 15000 Juden

Schaulen rund 4500 Juden

Diese Juden werden im wesentlichen für wehrwichtige Arbeiten verwandt. So sind z.B. bis auf 5000 Juden in 3 Schichten auf dem Flugplatz bei Kauen zu Erdarbeiten und dergleichen eingesetzt.

4. Weissruthenien

Der Weissruthenische Raum ist von allen Ländern im Ostland am dichtesten mit Juden besetzt. Im Jahre 1926 wurden in der damaligen BSSR. weit über 400000 Juden gezählt. Die letzte polnische Volkszählung ergab in den damals noch zu Polen gehörenden Wojowoydschaften Bialystock, Nowo Grodlek, Polesien, und Wilna mehr als 500000 Juden. Diese Zahlen sind jedoch ungenau und sicherlich zu niedrig gegriffen, was daraus hervorgeht, dass weit mehr Personen „jiddisch“ als ihre Muttersprache angegeben haben, als im gleichen Zählbezirk angeblich Juden vorhanden waren. Weitaus die Hälfte der Juden im weissruthenischen Siedlungsraum lebte bei Kriegsbeginn in den größeren Städten. In ganz besonderem Masse war Minks mit Juden besetzt, wo es 1939 bei einer Einwohnerzahl von 238000 rund 100000 Juden gab.

Die sozialogische Struktur des Judentums zeigte sowohl im ehem. polnischen Gebiet, wie auch in dem schon vor dem russich.polnischen Kriege bolschewistischen Gebiet Weissrutheniens eine breite Unterschicht ausgesprochen armer Juden.

Die verhältnissmässig dünne Oberschicht beherrschte im ehem. polnischen Gebiet, insbesondere

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auf Grund ihrer starken wirtschaftlichen Position und im altrussischen Gebiet auf Grund ihres Einflusses in den führenden Parteistellen, schlechthin alle Lebensgebiete. Der Jude im ehemals polnischen Gebiet ist wegen seiner Intelligenz und Kativität ein besonders gefährliches Element. Aber auch der sowjetrussische Jude hat in den 25 Jahren bolschewistischer Herrschaft ein sehr selbstbewusstes und arrogantes Wesen angenommen, das er sogar noch bei dem Einzug der deutschen Truppen beibehielt.

Die endgültige und grundlegende Beseitigung der nach dem Einmarsch der Deutschen im weissruthenischen Raum verbliebenen Juden stösst auf gewisse Schwierigkeiten. Das Judentum bildet gerade hier einen ausserordentlich hohen Prozentsatz der Facharbeiter, die mangels anderweitiger Reserven im dortigen Gebiet unentbehrlich sind. Ferner hat die Einsatzgruppe A das Gebiet erst nach Eintritt des starken Frostes übernommen, die Massenkonzentrationen stark erschwerten. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die Juden über das ganze Land weit verstreut wohnen. Bei den grossen Entfernungen, den schwierigen Wegeverhältnissen, dem Mangel an Kraftfahrzeugen und Benzin und den geringen Kräften der Sicherheitspolizei und des SD. sind die Erschiessungen auf dem Lande nur unter Anspannung aller Kräfte möglich. Trotzdem wurden bisher 41000 Juden erschossen. Hierin sind nicht die Zahlen der durch die früheren Einsatzkommandos durchgeführten Aktionen enthalten. Nach schätzungsweisen Angaben sind von der Wehrmacht bis Dezember 1941 ungefähr 19000 Partisanen und Verbrecher, d.h. also in der Mehrzahl Juden

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erschossen worden. Zurzeit kann für das Gebiet des Generalkommissariats noch mit einer Gesamtzahl von rund 128000 Juden gerechnet werden. In Minks selbst leben zurzeit – ohne Reichsdeutsche – rund 1800 Juden, deren Erschiessung mit Rücksicht auf den Arbeitseinsatz zurückgestellt werden musste.

Der Kommandeur in Weissruthenien ist trotz der schwierigen Lage angewiesen, die Judenfrage baldmöglichst zu liquidieren. Ein Zeitraum von ca. 2 Monaten wird jedoch – je nach Witterung – noch notwendig sein.

Die Abgrenzung der verbliebenen Juden in bes. Ghettos ist auch in den Städten in Weissruthenien nahezu abgeschlossen. Sie werden von Dienststellen der Wehrmacht, der Zivilverwaltung und deutschen Behörden zum Arbeitseinsatz in weitestgehendem Masse herangezogen.

Die Ernährung der Juden in Ghettos bildet besonders in Weissruthenien, aber auch in Litauen, erhebliche Schwierigkeiten. Neben dem allgemeinen Nachlassen der Arbeitskraft liegt darin eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber allen seuchenartigen Krankheiten.

5. Die Juden aus dem Reich:

Seit Dezember 1940 trafen aus dem Reich in kurzen Abständen Judentransporte ein. Davon wurden 20000 Juden nach Riga und 7000 Juden nach Minsk geleitet. Die ersten 10000 nach Riga evakuierten Juden wurden z.T. in einem provisorisch ausgebauten Auffanglager, z.T. in einem neu errichteten Barackenlager in der Nähe von

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Riga untergebracht. Die übrigen Transporte sind zunächst in einem abgetrennten Teil des Rigaer Ghettos eingewiesen worden.

Der Bau des Barackenlagers wird unter Einsatz aller arbeitsfähigen Juden so weiter geführt, dass im Frühjahr alle evakuierten Juden, die den Winter überstehen, in dieses Lager eingewiesen werden können.

Von den Juden aus dem Reich ist nur ein geringer Teil arbeitsfähig. Etwa 70 – 80 % sind Frauen und Kinder sowie Alte, arbeitsunfähige Personen. Die Sterblichkeitsziffer steigt ständig, auch infolge des aussergewöhnlich harten Winters.

Die Leistungen der wenigen einsatzfähigen Juden aus dem Reich sind zufriedenstellend. Sie sind als Arbeitskräfte auf Grund ihrer deutschen Sprache und ihrerer verhältnismäßig grösseren Sauberkeit mehr begeht als die russischen Juden. Bemerkenswert ist die Anpassungsfähigkeit der Juden, mit der sie ihr Leben den Umständen entsprechend zu gestalten versuchen.

Die in allen Ghettos vorhandene Zusammendrängung der Juden auf kleinstem raum bedingt naturgemäss eine grössere Seuchengefahr, der durch den Einsatz jüdischer Ärzte weitestgehend entgegengewirkt wirkt. In einzelnen Fällen wurden ansteckend erkrankte Juden unter dem Vorwand, in ein jüdisches Altersheim oder Krankenhaus verbracht zu werden, ausgesondert und exekutiert.

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IV. Kirche

Über die zukünftige Behandlung der Kirchen im Reichskommissariat Ostland und die Steuerung der Kirchenführung sind bisher bestimmte Entscheidungen noch nicht getroffen worden. Der Reichskommissar hat sich bisher allen Anträgen kirchlicher Stellen gegenüber vorsichtig und zurückhaltend verhalten und weder Ernennungen noch Anerkennungen vorgenommen. Zwischen den Sachbearbeitern und der Einsatzgruppe besteht enger Kontakt. Die einzige amtliche Handlung war bisher ein Verbot an Exarchen und russisch-orthodoxen Kirchen, Sergius, sich mit den Kirchenbelangen in Weissruthenien zu beschäftigen.

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